Religion

Weltreligionen und spirituelle Erhellungen sowie religiöse Bräuche, Themen und Protagonisten in Versen.

Sammlung Goetz & das eintausendsiebenhundertvierzehnte Gedicht

Sammlung Goetz im Luftschutzbunker im Haus der Kunst München

Kellerlicht

Hab‘n wir im Keller das Licht ausgemacht?
Hatten wir überhaupt Licht?
Wir überzeugten, erleuchteten Leute brauchen‘s ja eigentlich nicht.

Hab‘n wir im Keller das Licht ausgedacht?
Hab‘n wir einander geseh‘n?
Wenn man sich einigt, gilt damit bescheinigt: Alles ist wirklich gescheh‘n.

Hab’n wir im Keller das Licht ausgemacht
Untereinander - als hell?
Auch wenn Chimären in Massen ausscheren - wir bleiben konsensuell.

Steigblick & das eintausendsiebenhundertdreizehnte Gedicht

Mittenwald Höhensteigblick

Das Bergdorf (Rückkehr der Kafire)

Sehnsuchtslang senkt sich mein Blick
In das leere Tal -
Ach, Kafire, kehrt zurück,
Segnet unser Mahl
In der verödenden Eintönigkeit!

Dies Dorf durchdröhnt eine Kleingeistigkeit:

Daseinsstumpf stirbt jedes Fest,
Schönheit wird verhöhnt -
Ach, dass ihr mit diesem Nest
Wieder euch versöhnt,
Bin ich von Gott zu erfleh‘n noch bereit.

Wiederersteh‘, Dorf, in Ungläubigkeit!

Museum 5 Kontinente & das eintausendsiebenhundertachte Gedicht

Myanmar-Abteilung im Museum Fünf Kontinente

Protest

Ich biete heut die Bettelschale
Umgedreht dir dar -
Dies nimm fortan zum Warnsignale,
Dass ich nicht mit Gna-
De deinen Grund der Schuld abzahle,
Tat's vordem ich zwar -

Jetzt bleibt der Almosendienst dir verwehrt,
Ich bleibe mittellos, du bist entehrt.

Große Tann & das eintausendsechshundertneunundneunzigste Gedicht

Naturdenkmal "Große Tann" an der Bauernrast bei Lenggries

Big & Small

Das große Schicksal müsst sich bloß ein kleines Stück bewegen!
Es gäb damit dem größten Glück der Kleinsten seinen Segen.

Bauernrastweg & das eintausendsechshundertsechsundneunzigste Gedicht

Auf dem Wanderpfad zur Bauernrast in Lenggries

Geflüggete Worter

"Holz, der Teufel!", sagt man so.
Keine Ahnung, wann und wo.

Lenggries & das eintausendsechshundertfünfundneunzigste Gedicht

Blick von Lenggries aufs Brauneckmassiv

Die Kremierer

Wir beseitigen die Leichen,
Bis man auch uns dann tötet.
Für unser Glück muss reichen:
Wir hab'n dazu geflötet.

Quetzalgrün & das eintausendsechshundertsiebenundachtzigste Gedicht

Walchenseeufer bei Urfeld

Fünfte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Corona-Plauze, Olivenschiffchen, Quetzal, Granteln, Gendersternchen, Wetten Dass und Reizarmut.

Der Quetzal

Der Farben Pracht und Dynastie
Sind still in ihm vollendet -
Und so erklär ich hiermit die
Befragung für beendet,
Welch Schöpfung unsre Welt bekrönt,
Die sonst vor Eitelkeiten dröhnt.

Der Löwe zu herrisch, das Schaf wirkt zu dumm,
Der Adler zu aggro, der Wal bleibt zu stumm,
Der Mensch ist ein breitflächig andres Problem -
Doch dazu benötigt's ein eignes Poem.

Sich Unschuld in Brillanz zu leisten,
Ich denk, darauf versteh'n die meisten
Hoch geschätzten Stars sich nicht -

Dem Quetzal steht es im Gesicht.
Er macht selbst den räubrigsten Dschungel noch fromm -
Auch mein Dümpeln als Mausklick
Fand durch seinen Anblick
Den Link auf die Seiten von Gott(dot)com.
Doch braucht's für dies Bildnis
Den Gang in die Wildnis,
Denn er wird in Gefangenschaft
Vom Freiheitsdrang hinweggerafft.

Durchhaltepatrouille & das eintausendsechshundertachtzigste Gedicht

Frühlingsbeginn auf dem Aubachweg in Bayrischzell

Das Schneeregenlächeln

Ach, dein Schneeregenlächeln ist echt rigoros,
Es stellt Schnelllebigkeit und Berechnungen bloß -
Du begegnest belechzten Schlechtwetterprognosen
Mit unverfälscht lässigen Lebensmutposen.

Aubach & das eintausendsechshundertfünfundsiebzigste Gedicht

Heuballen auf einer Weide bei Bayrischzell

Vierte Auftragsversewoche 2021: Gewünscht wurden Gedichte zu den Themen Angst vor dem weißen Blatt, Discounter, Kratzbäume, Joggende, Porzellanservices und atomare Endlagerung.

Atomare Endlagerung

Hier verewigt sich Gefahr,
Ein gefrorenes Drohen wird zellophaniert,
Spätre Welten sind ganz nah,
Da der Altlasten Lohen sich fortpotenziert.

Wir sind unaufhörlich da,
Liegt der Rest vom Vermächtnis auch schwindend in Trümmern,
Verbleibt ein Ist von dem, was war,
Mitsamt der Verpflichtung, sich hierum zu kümmern.

Ein Gewölbe als Altar,
Mit Monstranzen der einenden Kontemplation -
Hier verewigt sich Gefahr
In Granitkathedralen, in Salz oder Ton.

Münchner Original & das eintausendsechshundertneunundsechzigste Gedicht

Statue "Der Ring" von Mauro Staccioli

Die Originale

Aus der milchgesichtigfahlen Masse
Ragen sie wie Alhambren empor.
Es strahlt ihr Charakter im stillen Geprasse,
Es ist ihre Gegenwart reiner Komfort.

Sie umschillert die lässigste Würde
Und versagt ihrem Einfluss den Tusch.
Kein Geltungsbedürfnis befällt sie als Bürde,
Weil ihr Selbst so verständlich ist, ganz ohne Pfusch.

Im Überhast nannt ich uns Geistesverwandte,
Doch bin nur ein Mensch, der das Original kannte.

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