Prommis

Gedichte, in denen ein berühmter oder berüchtigter Mensch die Hauptrolle einnimmt oder zumindest untenrum rumdümpelt.

Bwabwata Nationalpark & das neunhundertfünfundfünfzigste Gedicht

Geier im Bwabwata Nationalpark

Unter Geiern

Wenn mich die Hyäne beißt
Bin ich meistens tot
Wenn auf mich der Geier scheißt
Ist vorbei die Not
Wenn in mir die Made schmatzt
Schmecke ich schon schlecht

"Wär ich doch nicht abgekratzt!", denkt sich Bertolt Brecht

St. Patrick & das achthundertsiebzehnte Gedicht

St. Patrick's Day Umzug München

Für Shane M. et al.

Groll' nicht den Drogen der Irrfahrten wegen
Ohne sie gäb' es gar keine Reise
Trünn' auch nicht ab von des Alkohols Segen
Denn wer will die Welt doppelt so leise?

Nun wiegt dich die Zerbrechlichkeit
Zu dem Sermon "Das war zu erwarten"
Der gern als nebensächlich weiht
Allen Ungestüms prächtigste Taten

Beginn'n auch meiner Jugend Helden
Sich nacheinander abzumelden
Für den Rest meiner Zeit rühr'n sie tief durch die Knochen
Schür'n hinter dem Vorhang vom einstigen Brennen
Ich hab' meine Seele längst zigmal erbrochen
Aber vier bis fünf Songs lang kann ich sie erkennen

Isaruferweg & das siebenhundertsechsundneunzigste Gedicht

Isaruferweg

Wishlist für das Totenspalier (Meine Mander)

Hier kommt meine Wishlist fürs Totenspalier
zu den Recken der Family wünsche ich mir:

Zunächst Tom Waits und Thomas Bernhard
Marlene Dietrich, Robert Gernhardt
Rivers Cuomo und Billy Bragg, Harry Belafonte
Orson Welles und Friedrich von (wie man ahnen konnte)

Falls noch Platz im Kirchlein ist:
'nen Comedian Harmonist
und dann können gleich daneben
auch The Cure ein Ständchen geben

Das hört sich dann leicht neidisch an:
Der Kaiser Maximilian

Maximilian I. von Habsburg hat für sein Grabmal 40 überlebensgroße Bronzefiguren in Auftrag gegeben, von denen 28 den – leeren – Sarg in der Innsbrucker Hofkirche eskortieren. Diese "Schwarzen Mander" stellen Familienmitglieder sowie von Maximilian auserwählte Persönlichkeiten dar.

Tor 4 & das siebenhundertachtzehnte Gedicht

Blick auf Davos

Thomas & Davos

Obschon im Reich vom Zauberberg
sich nur 'ne arme Sau verbarg
nahm int'ressiert Herr Thomas Mann
sich dezidiert des Themas an

Marienplatz & das sechshundertneunundsiebzigste Gedicht

Marienplatz

Kant

Ist Ihnen bekannt, dass Immanuel Kant
Imma ma' schnell in Kantinen verschwand?
Denn einmal darinnen,
Konnt' Kant dann von innen
Verkannte Esser viel besser versteh'n:
"Mann, imma nur Nudeln – ich kann's nimma seh'n!"

Forst & das sechshundertzweiundzwanzigste Gedicht

Pullacher Forst

Ripostegedicht zu "Mondnacht" von Joseph von Eichendorff.

Mondnacht bei Hausarrest

Der Eichendorff hat Hausarrest
Und einsam ist's im Wald
Heut lobt kein Vers das Blattgeäst
Als göttliche Gestalt

Die Linde rauscht bedeutungslos
Der Linda droht das Gleiche
So all des Sinnens Schwere bloß
Ohn' Dorffpatron der Eiche

Die Vögel weiten - nur zum Test
Die seelenlosen Flügel
Und alle finden Hausarrest
Viel grauslicher als Prügel

Der Himmel über Essen & das sechshundertneunte Gedicht

Der Himmel über Essen

Schwuppdiekrupp

Schwupps – der Krupp vom Ruhrgebiet
Stillt den Wachstumsappetit,
Schickt den Stahl aus seinem Stall
Weltallweit ins Überall.
Von der höchsten Eisenbahn
Bis zum bösen Größenwahn –
Unser Krupp, der tut dat wuppen!
Macht Tuff-Tuff und tough die Truppen.

Aber nach zwei Weltkriegsrunden
Kann der Krupp nur kurz gesunden,
Stahl sich fort und ward vergessen:
Schwuppdiwupp, der Krupp aus Essen.

HH in HH & das fünfhundertneunundneunzigste Gedicht

Heinrich Heine am Hamburger Rathausmarkt

Die Büste (Arm an Beinen)

Der eher kleine
Heinrich Heine
Steht als Büste ohne Beine
Da
Müsste ohne Sockel schweben
Oder aber
Angedockt
Fersennah am Boden kleben
Hoffend, dass wer niederhockt
Zwar
Mein' ich, dass das jeder täte
Wenn der Heinrich darum bäte
So jedoch ist's gar nicht nötig
Durch den Sockeldienst erhöht sich
Quasi wie von ganz alleine
Beinbefreit
Der Heinrich Heine

St. Gilgen am Wolfgangsee & das fünfhunderteinundneunzigste Gedicht

Helmut Kohl Park in St. Gilgen am Wolfgangsee

Letzte Woche in St. Gilgen

Einen Tag, bevor es alle taten
Hab ich an Helmut Kohl gedacht
Mich fragte in St. Gilgens Garten:
"Was wohl der olle Kohl so macht?"

Der Einheitsheld in Zweifelhaft
Am Limit seiner Riesen-Kraft
Bleibt wohl beleibt und unbeliebt
Solang es ihn im Diesseits gibt

Und erst nach seiner Erdenpein
Wird er ein sehr Verehrter sein

Das hat sich Kohl wohl auch gedacht
Und prompt die Augen zugemacht

Schloss Charlottenburg & das fünfhundertachtundvierzigste Gedicht

Schloss Charlottenburg

Der Charly (Das Lotterleben nach der Revolution)

Die Könige sind alle längst pensioniert
Und Karl Marx sagt, dass hätte er so nicht gewollt
In Freizeitgewändern wird hier nun flaniert
Selbst Karl Moik hat genervt mit den Augen gerollt

Seiten

RSS - Prommis abonnieren