Prommis

Gedichte, in denen ein berühmter oder berüchtigter Mensch die Hauptrolle einnimmt oder zumindest untenrum rumdümpelt.

Schwangere Auster & das eintausendzweihundertneunundneunzigste Gedicht

Haus der Kulturen der Welt Berlin

Sigmund Jähn

Warum ein Gedicht auf Sigmund Jähn?

Weil Dinge lässig fortbesteh'n,
Egal, was die Zeiten verändern.

Weil Erster zu sein zu seiner Zeit
Sich misst bis in die Ewigkeit.

(Ja, den Satz darf man gern auch begendern.)

Rochuskapelle & das eintausendzweihundertsiebenundzwanzigste Gedicht

Rochuskapelle bei Bingen

Wegen, wegen, Wegen! (Die Goethe-Ruh am Rochusberg)

Nur wegen Goethe flöte ich,
Der Klötgen Frank (auch: Klöterich),
Auf dem allerletzten Loch -
Und doch die Roch-
Uskapelle hat der Mühen gelohnt
(ich bin nur solch Fußwege nicht mehr gewohnt)!

Mit dem Kirchlein an sich hat es gar nichts zu tun (ich
Find's weder verwegen, noch richtig ruinig),
Denn es hat ja seit meiner schöngeistigen Häutung
Das Geistliche (meist) für mich keine Bedeutung.

Doch durch des Kreuzwegs Schatten schleich ich
Mich lichtungswärts ins wahre Reich, ich
Hocke müd mich hin im Schauen
Auf die Rüdesheimer Auen.
Und in des Rheins und Weines Weiten ...
Da stapeln sich Erhabenheiten.

In solcher Natur wähne ich meinen Segen.

Und bleib' auf der Spur von mir ähnlichen Wegen.

Weimarer Klassik & das eintausendzweihundertunddritte Gedicht

Weimarer Klassik - Goethe und Schiller Denkmal

In Goethes Wohnhaus

Ich hab heut im Goetheschen Wohnhaus geschnüffelt,
Mich selbst ob der Gier meines Blickes gerüffelt,
Ob hier sich mir ein Trick verrät,
Erlöst von meiner Zwangsdiät,
Bringt mich in alten Schreibefluss,
Zeigt, wie ich Zeilen setzen muss ...
Das fänd ich doch mal derbe cool!
Denk ich vor Goethes Sterbestuhl.

Von dem tönte einst hier das tradierte "Mehr Licht!"
Als trefflicher Anfang von einem Gedicht.

Doch der einzige Tipp, der sich mir hier verrät,
Ist: Zeile stets zeitig - schnell ist es zu spät!

Wartburg & das eintausendeinhundertachtundneunzigste Gedicht

Die Wartburg in Eisenach

Und weil man langgediente Lesebühnengefährten nicht ohne gehen lässt, ein ...

Abschiedsgedicht für Felix Lobrecht

Lob bekommen, Recht behalten,
Gucci-Kollektion verwalten -
Was Lateinisch felix heißt,
Ahnt jetzt auch wer, dem sich sonst gar nix enthüllt.
Egal, wie low der Brecht nun scheißt:
Bildungsauftrag ist erfüllt!

Wartburgtauben & das eintausendeinhundertsiebenundneunzigste Gedicht

Taubenschlag auf der Wartburg in Eisenach

Und weil man langgediente Lesebühnengefährten nicht ohne gehen lässt, ein ...

Abschiedsgedicht für Till Reiners

Till ist im Grunde kein richtiger Name -
Nur 'ne Silbe, die lieblos in Pässe geschissen.
Doch wenn im halb gefillten Darme
Dich drillt einer MILFs Fist,
Du stillschweigend Dill frisst,
'ne Pill' keine Hilf' ist,
Ein Will' Einweg-Mill ist -
Was gäb' man nicht her für ein Reiners Gewissen!?

Warschauer Himmel & das eintausendeinhundertzweiundvierzigste Gedicht

Warschauer Straße S-Bahnhof

Dem Äther

Radi - Radi - Radio,
Ich drehe am Rad deiner Sendersuche
Und flüchte mich ins Irgendwo,
Getrieben vom seiernden Deutschpop-Eunuche.
Wissend:
In dem Gerausche der Ultrakurzwellen
Gibt's die momentelang richtigen Stellen,
Die wandernd der lot-rote Strich für mich findet
Und Gerättreue kurz an Bestätigung bindet.
Erinnernd:
Die matt hinterleuchteten Stadtnamenskalen
Im Musiktruh'n entströmenden Röhrengeruch,
Die 'nem Dreiersprung folgenden Megaherzzahlen
Am Radiorecorder nebst Bandsalatfluch.
Mixtape-alert auf der Suche nach Stil
Stieß ich tiefnächtens aufs Herz von John Peel,
Gab ihm die Lizenz, mir die Nächte zu stehlen
Mit krudem Kram aus noch verdecktem Gefallen -
Den würde mir Spotify niemals empfehlen!
In solch Algorithmen riecht alles nach allen.
Verklärend:
Auf Grundig und Blaupunkt brach ich dereinst auf
Zu landen an Stränden von neuen Instanzen.
Von Sony und Sharp nahm ich Flotten in Kauf,
Als Worte und Klänge mich lehrten zu tanzen.
Abwehrend:
Du maulst gekränkt, hier fehle die
Probierkraft der Community -
Der autarkische Schwarm sei der Held vom Gedichte!
Das ist vielleicht nicht grundverkehrt,
Mir bleibt's ein Reichtum ohne Wert -
Das wird später deine, nie meine Geschichte.

Filmstadt & das eintausendeinhundertzweiunddreißigste Gedicht

Bavaria Filmstadt

Der Dichtung des Gusto G.

Irr verlustiert es im Sprachmaterial,
Dieses Lustvoll-Geschenke-sich-selbst-zu-verpacken!
Rabaukenschalk kalkt deiner Eingebung Wahl
Und verschwurbelt die sichtbaren Macken.

Der Worte Unerheblichkeit
Schwebt jäh hinhoch im Spiel.
Verblendungsfreie Heiterkeit -
So wenig schwirrt so viel.

Wacker Beck & das eintausendeinhundertsechzehnte Gedicht

Figur vorm Bäcker Wacker Olten

Pfiffstorm

Balduin Pfiff ist stets auf den Fersen der Übeltäterei.
Er ist der bewährte alerte Gewährsmann: Das Bös-Sein bleibt nie frei!

Er entlarvt den Affront in der lässigen Beugung,
Entsprechend bestraft er mit Pfiff-Überzeugung.

Was braucht's einen Richter? Was braucht's Polizei?
Ein Balduin Pfiff ist doch immer dabei!

Schlossteich Chemnitz & das eintausendeinhundertste Gedicht

Schlossteich Chemnitz

Fast! (Am Chemnitzer Lapidarium)

Rapide
Stupide
Rappt auf der Stampede
Bushido so Lieder
Von wiederholt wider-
wärtiger solider metrischpoetischer Labilität.

" 'schab fertisch gelabert!" - Ja, nu is zu spät!

Alter Peter Schatten & das eintausendfünfzigste Gedicht

Münchner Rathaus im Schatten vom Alten Peter

Im Musäum

Karla Valentina
Balla Primarina
Schalk und Rauch Schlawiner
Karla Valentina

Liesl statt Kalauer
Adelsspross von Dauer
Tadellose Power
Liesl statt Kalauer

Wallen Teenageherzen
Bei den alten Scherzen?
Finden coole Städter
Neu Vergeh'ndes better?

Sind solche zu-e Schauer
Über Haupt Verdiener?
Liesl statt Kalauer
Karla Valentina

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