Madagaskar

Vom 4. bis zum 21. September meine zweite große Fahrt über diese wunderbare Insel unternommen. Und dabei auch die Bühne betreten:
- 10.09.16 Antananarivo, Poetry Slam, Goethe Zentrum
- 15.09.16 Belo Tsiribihina, Lakana Be 3

Rückreise & das dreihundertsechzigste Gedicht

Madagaskar Stilleben

Abschied von Madagaskar und den Seychellen. Über Abu Dhabi.

Vom anderen Ufer

"Weh mir, Emir,"
Sprach ich panisch, "Piraten!

Aus den arabischen Emiraten

Alle Welt bangt vor ihr'n
Rabiaten
Taten und Matern an Patern!"

Da war der Rat vom Emir:
"Lieber Rabbi, eh dir

Die Art der Piraten 'nen Alptraum bereite:
Die Jungs sind seit Samstag auf unserer Seite!
Selbst gläubigste Räuber treibt stets, so gelob' ick
Gewinnmaximierend Gesinnungsaerobic!"

Wiesellemur & das dreihundertneunundfünfzigste Gedicht

Wiesellemur

Und in der letzten Madagaskar-Woche tauchte dann doch noch ein zusätzlicher, noch nicht von einem Gedicht bedachter Lemur vor meiner Kamera auf. Auf welche Weise, erklärt sein Ged/sicht.

Der Wiesellemur (Englisch: sportive lemur)

Nur der drolligen Pupillen wegen
Sollt' man nicht den Willen hegen
Den Schlafkloß aus dem Astlochschacht
Hinauszustoßen - gleichwie sacht!

Ach, achteten wir den nachtaktiven
Tagesablauf des sportiven
Wiewohl meist ruhenden Wiesellemuren
Würden wir ihn kaum auf unseren Touren
Egoman entzückungssüchtig
Einmal kurz, beglückt und flüchtig
Aus dem Schlaf ins Helle stupsen
Dann in unsren Fokus schupsen

Sein Blick irrt halbgar: "Was'n los?!"
Mit Augen, die gar doppelt groß

Da gluckst die Hingerissenheit
Ob solch massiver Niedlichkeit

Werter Wiesellemur, verzeih'n Sie die Störung
Die Ihnen laut Murren nur wenig gefällt
Doch dient dieses Opfer durch Optik-Betörung
Versöhnlichst dem inneren Frieden der Welt!

Camp Amoureux & das dreihundertdreiundfünfzigste Gedicht

Fyling Sifaka

Sifaka im Camp Amoureux. Ein Ripostegedicht zu Bert Brecht.s "Erinnerung an die Marie A.".

Marie A. frisst ihre Kinder

Die eine Wolke weiß ich noch ...
Die als Schäfchen vom Land auf das Meer rausgetrieben
Der Verkleinerung trotzend - um schließlich dann doch
Ihrer Auflösung nachgab, bis nichts mehr verblieben
Als weitere Wolken, die ich noch erinner'
Jenem Schicksale folgend, dass keine Gewinner
Am Himmel von mir zu melden waren ...
Nur Berichte von Helden und Wolkengefahren

Bis zum Abend vom Meer eine ungeheuer weiße Front
Eroberte den Horizont ...
So viel wolkige Allmacht, vom Himmel besessen!

Ach, könnt' ich doch all diese Wolken vergessen ...

Morondava & das dreihundertzweiundfünfzigste Gedicht

Am Strand von Morandava.

Am Strand von Morandava.

Über den Gewässern (minimalblasphemisches Seefahrergedicht)

Über den Gewässern
Ist die Luft, die dem Land fehlt
Alles würd' sich verbessern
Wenn ihr Allah mal abwählt!

(Allein deshalb wurd' hier der Freund Allah erwählt
Weil ihn der A-L-Laut so aalig begelt
Die übrigen Götter sind - in aller Kürze
Nur minimal divergent riechende Fürze)

Baobab & das dreihunderteinundfünfzigste Gedicht

Avenue of the Baobabs, Morondava

Die Baobab-Allee

Palastsäulenartig erhebt sich der Stamm
Aus dem Kern seiner Masse zur Krone empor
Es ist Ehrfurcht, die ich in die Herzkammern ramm'
Und in ratloser Andacht steh' ich nun davor

Jene Allee, die solch Solitäre formiert
Zum Sinnbild von einem gebeutelten Land
Und unbeirrt beugsam majestätisiert
Als Letzte des Urwalds, der hier einmal stand

Denn dies ist ein Friedhof, der sagt dir: Gedenke
All jener gekappten Idyllengelenke
Dem die mächtigen Bäume nur Kreuze sind
Die allein über eintausend Jahre gerettet
Dass durch sie die Reue der Gläubigen rinnt
Dass Heiligkeit sie an Unfällbarkeit kettet

Einsam thront der Baobab
Die Asche um ihn schon verweht
Er steht als Kreuz auf einem Grab
In einem Reich, das untergeht

Campen & das dreihundertfünfzigste Gedicht

Zeltaufbau am Tsiribihina-River.

Okay, dreihundertfünfzig ist eine Hausnummer. Aber in diesem Jahr nur eine Zwischenstation der Tour-Dichtung. Unser Camp am Fluss.

Reisefieber

Das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
Öffnet Momenten der Kindheit die Pforten
Da ich campend an Ufern französischer Flüsse
Nichts ahnend von späteren Heimsuchungsorten
Den sorgenden Eltern am Rockzipfel hing
Und die Aufbruchsbereitschaft als Hostie empfing
Ließ den Staub und Gebrauch von gut vier Dutzend Ländern
Meinen Glauben und some Chromosome verändern

Doch führt uns im Fremden empfundenes Glück
An früher genossene Orte zurück
Und das singende Ritschen der Zeltreissverschlüsse
Bleibt ewig den Ufern französischer Flüsse

Krokodil & das dreihundertneunundvierzigste Gedicht

Krokodil Madagaskar auf dem Tsiribihina.

Wir hatten die Garantie, dass diese Tiere unser Zelt am Flussufer nicht angreifen würden, weil sie viel zu viel Angst hätten. Wir haben das mal geglaubt. Es hätte eh nicht ins Zelt gepasst.

Das Krokodil

Das Krokodil liegt einfach da
Die Schreckensschnauze auf halb acht
So ruht mit ihm auch die Gefahr
Die uns so sorgsam beigebracht

Was grad aber nun unsere Neugierde weckt
An dem Monstrum, das so sanft hier niedergestreckt
Und blass einlädt zur näheren Inspektion
Und zum Test, ob allmählich sich langsam nicht schon
Erübrigt der vordem verbreitete Schrecken
Doch abermals gibt's für uns nur zu entdecken:
Von Schnellkraft und Bisswut und Grauen ermächtigt
War'n all jene Warnungen durchaus berechtigt!

Das Krokodil liegt einfach da
Und in ihm drin - ein weit'rer Narr

Great Tsingys & das dreihundertachtundvierzigste Gedicht

Great Tsingys of Bemaraha

Weltnaturerbe Tsingys. Gefährlicher Ort. "Vazaha!" wird in den Dörfern jedem Weißen fröhlich hinterher gerufen und bedeutet so viel wie "Fremder!".

ResErwartet

Was ich ihr in den Gin gieß
Hoch oben in den Tsingys
Weiß einzig jener Papagei
Der warnend rief: "Geh heim, Miss!"

Es war ja kein Geheimnis
Dass jener Vazaha Gin eingieß
Und manche von den Tsingys stieß

Und heut war sie halt an der Reih'!

Tsingys of Bemaraha & das dreihundertsiebenundvierzigste Gedicht

Hängebrücke Great Tsingys

Weltnaturerbe Tsingys. Scharf und hoch.

Son of the Earth

Wir wandern durchs Korallenriff
Als eines Seesterns letzte Erben
So ließ uns jetzt der Plattenschliff
Nur einen finst'ren Berg aus Scherben

Afrikanische Fähre & das dreihundertsechsundvierzigste Gedicht

Fähre über den Tsiribihina

Der Weg zum Weltnaturerbe Tsingys. Zwei Boote, Brett drüber, Autofähre fertig!

Don't pay the Ferry, man!

Autofähre, Autofähre
Wenn das mal so einfach wäre
Doch nur durch Rüber-und-Zurück
Verändert sich die Welt kein Stück

Zweimal Rüberzufahren - als erste Lektion
(Ohne Zwischenzurück!) überfordert dich schon
Und gleich "Das geht nicht!" rumzuschrei'n!
Ich frag mich, wie dumm kann man sein?!
"Bla, bla, erst rüber, dann zurück...!"
Du bist ein derart blödes Stück ...

Als wenn das eine Lösung wäre
Autofähre, Autofähre

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