Alter, Tod & Abschied

Gedichte über das Älterwerden, den Lebensabend, Krankheiten. Und den Tod.

Blick nach oben & das zweihundertsechsundneunzigste Gedicht

Blick vom Eibsee

Laszives Massiv.

Die Abwesenheit von Wasser

Es scheut sich der Tag zwar, die Nacht zu berühren
Doch lässt sich das Nichts schon im Blinddarm verspüren
Selbst gröbste Selbstverständlichkeiten
Lümmeln sich auf beiden Seiten

Man wird's dir mit berstenden Grenzen erklären
Mit der Tendenz zum Ungefähren ...

Doch ist's, dass die Fülle der Schönheit nur blitzt
Weil in ihrer Hülle ihr Abwesen sitzt

Eibsee, zum Zweiten & das zweihundertfünfundneunzigste Gedicht

Eibsee

Stille Wasser sind tief.

Karrieretief

Ich war mal important im Exportgeschäft
Then i ended up in a Start-Up ...
Ach, schenkt mir ein Lächeln, wenn ihr mich mal trefft!
Weil ich schon so lang drauf gespart hab ...

Drückfahrt & das zweihundertsiebenundachtzigste Gedicht

Blumenmeer am Grazer Hauptbahnhof

Idylle am Grazer Hauptbahnhof. Später wurde es ungemütlicher.

Der Zuggereiste

Die von Platznot befohlene Sitzposition
Lähmt mir alle Glieder von Anbeginn schon
Verfinstert mir seither das Dasein per Dauer
Und blinzelt gerissen zum dräuenden Aua!

Die despotische Herrschaft des Unausgestreckten!
Der aus Muskelfleisch tränende Drang nach Bewegung ...
Diese fiese Gewalt am in Ketten gesteckten
Körper in regungslos tauber Erregung
Der in die Polster rückenschwitzt
Als Plattgedrückter grollt. Und sitzt.

Krypta & das zweihundertachtzigste Gedicht

Totenwächter im Völkerschlachtdenkmal

Totenwächter im Völkerschlachtdenkmal.

Anteil

Wenn schon Blues, sag, wessen Tränen
Woll'n wir in den News erwähnen?

Leipzig Völkerschlacht & das zweihundertneunundsiebzigste Gedicht

Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nach Wolkenbruch

Wuchtig, donnernd, wuchtig, wuchtig - Völkerschlachtdenkmal in Leipzig nach Wolkenbruch.

Stirb Langsam, Teil Nichts!

Das furorlose große Seniorenmenu
Es strotzt vor Geschmack eines "Tout est perdu"
Und eigner Überkommenheit

Man kleckert sich lecker durch kleine Portionen
So lange wir über der Erdkruste wohnen
Wenn der Mund auch schon voll ist - das Schlucken braucht Zeit!

Die vergebliche Hege des Ausgedienten
Schwingt zwischen Gewohnheit und Liebhaberei
Im Fond des nach etlichen Brüchen geschienten
Hechelnden Lächelns nach Ehrungenbrei ...

Doch kommt da nix, ohweiohwei!

Nein,
Mit drei Mai Thai und Heiteitei
Wirbt man nun frech um unser Lob
Berechnet Erbanteile, grob

Grillrost & das zweihundertvierundsiebzigste Gedicht

Isarauen

Grillzonen und Räucherkammern in den Isarauen.

Was bleibt

Begrabt mich zwischen zwei Semmelhälften auf den Grillplatzbereichen der Isarauen!
Dort mag ich die Marinaden ausbaden und wampenfetttriefend ein T-Shirt einsauen
"Ach, Scheiß! Das gibt 'nen Megafleck ...!"
Ich weiß. Der geht auch nicht mehr weg.

Badewasser & das zweihunderteinundsiebzigste Gedicht

Isarwehr

Spielverderber an der Isar.

Dogmendog

In Sommerfrischen denke nicht / an Kirchen im November!
Weil deren Todesnähe ist / durch Phantasie nicht dämmbar
Lass dir kein X für's U andreh'n
Setzt auch die Welt aufs Schnellversteh'n
Und schreibt auf Fassaden "Hier: Vier dünne Risse!"
So steht es im Sketch-Bxch, ist gleichsam Kulisse
Bleib das, was du denkst - wenn auch alles vergisst
Dass längst noch nicht November ist

Leavin' Görlitz & das zweihundertfünfundsechzigste Gedicht

Görlitz at night

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Abflug.

Nun bin ich manche Stunde

Solch Beschaulichkeit müsste erfunden werden
Um als Ernte der kopfsteingepflasterten Erden
Den Kantenvernarrten in mir zu entspannen
Das aufsässig Drängende sanft zu verbannen
Aus diesem Garten der Nostalgie
Wo die saftigsten Früchte aus Melancholie
Und einstiger Pracht nun im Immerfort reifen
Dass mich deren Düfte wie Ahnungen streifen:

Hier fänd'st du deine Ruh!

Doch brennst halt immerzu ...
Ich trinke genüsslich, gemächlich Kaffee
Erspür' so viel Gründe zu bleiben, doch ... nee!

Nicolaifriedhof & das zweihundertvierundsechzigste Gedicht

Nicolaifriedhof Görlitz

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Erinnerung.

Epitaph

So lasse ich denn diese Zeilen zurück
Als in Trauer verstetigtes irdisches Glück
Der innigsten Verbundenheit

Verblassend nun zu Ewigkeit

Neisse & das zweihunderteinundsechzigste Gedicht

Görlitz Neiße

Drei Tage Görlitz, Straßentheaterfestival. Zwischen den Ländern.

Der Latz (Ein simples Gedicht)

Da ruh'n die Beschwerden verschlabberter Leben
Die selbstlos befehligt einst gaben sich hin
Um Grenzverlauflinien 'ne Wölbung zu geben

Die standen kurz so in den Landkarten drin
Dann folgte der teure Strich nächsten Bestreben
Nach Bögen, nach Streckungen, Senken und Heben
Sei's nur für den Blitz einer Satisfaktion
Da verschlabbert man eben mal weitere Leben ...

Sieh zu, dass du nie mit am Tisch sitzt, mein Sohn!

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